Die Welt ist besser, als du denkst – 11 Erkenntnisse aus Hans Roslings „Factfulness“

“Früher war alles besser!” oder “Damals hätte es solche Zustände nicht gegeben”. Wie oft hast du diese Sätze schon gehört und vielleicht auch selbst geglaubt? Untermauert von reißerischen Schlagzeilen von Bild, RTL & Co, die dich mit Corona-Panik oder Finanzkrisen zumüllen.

Doch wird die Welt tatsächlich immer schlechter oder nehmen wir sie durch die Medien nur so wahr? Entscheide selbst, nachdem du dir meine 11 Erkenntnisse aus Hans Roslings Factfulness durchgelesen hast!

Hans Rosling selbst war ein beeindruckender Mann. Als Mitgründer des schwedischen Arms von “Ärzte ohne Grenzen” und langjähriger Arzt in Mosambik hat er auf dem afrikanischen Kontinent viel bewegt. So konnte er vor Ort seine Beobachtungen und Studien machen. Die Ergebnisse davon hat er in vielen TED-Talks einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Leider hat er die Veröffentlichung seines Buches “Factfulness” nicht mehr miterlebt. Lass dich gerne von seinen spannenden Erkenntnissen zum Nachdenken anregen!

 

Erkenntnis 1: Unsere Weltsicht ist systematisch verzerrt

Hier erzählt Hans Rosling von seiner Begeisterung für Schwertschlucker, da sie bei ihm für das Unmögliche standen. So probierte er es mit einem stabförmigen Gegenstand, was jedoch komplett erfolglos blieb. Als Hans Rosling darauf hingewiesen wurde, dass er es mit einem runden statt mit einem flachen Gegenstand versuchen sollte, hat es plötzlich funktioniert.

Warum erzählt er von diesem Hobby? Es lehrte ihn die Erkenntnis, dass das Unmögliche möglich sein kann. Wenn man nur weiß wie. Und dennoch lassen sich die meisten Menschen trotz großer Wissensfortschritte immer noch von ihren Instinkten leiten. Deshalb erfand er einen Test, der aufzeigen sollte, dass die Teilnehmer in ihren überholten, standardisierten Ansichten verhaftet sind. So nehmen viele die Veränderungen in der Welt nicht gar nicht wahr, obwohl die Fakten mittlerweile das Gegenteil beweisen.

Der Test mit 12.000 Menschen beinhaltete 13 Fragen mit je drei Antwortmöglichkeiten. Die Fragen bezogen sich auf weltweite Entwicklungen in Bereichen wie Bevölkerung, Einkommen, Bildung, Lebenserwartung, Klimaerwärmung, bedrohte Tierarten und Demographie. Statistisch war zu erwarten, dass wenigstens ⅓ der Antworten korrekt waren, wegen der drei Antwortmöglichkeiten.

Das Verblüffende war jedoch, dass die meisten Teilnehmer komplett daneben lagen. Das offenbarte eine fast gänzliche Unkenntnis über die tatsächlichen Gegebenheiten der Welt. Das bewog ihn, die Gapminder-Stiftung zu gründen, um ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen.

 

Erkenntnis 2: Es gibt keine Kluft zwischen Arm und Reich

Die besonders von Sozialisten vielbeschworene Kluft zwischen Arm und Reich basiert auf der menschlichen Denkweise, die Welt in zwei Gruppen einzuteilen, zwischen denen eine große Diskrepanz herrscht. Also zwischen Arm und Reich, Gebildet und Ungebildet oder Entwickelt und Unterentwickelt. So führt Hans Rosling an, dass es beim Einkommen keine Zweiteilung gibt, obwohl das immer noch überall behauptet wird. Denn es zeigt sich ein ganz anderes Bild, wenn man die Welt in vier Einkommensstufen gliedert.

Anzahl Menschen Einkommen
1 Mrd 1$ pro Tag
3 Mrd 4$ pro Tag
2 Mrd 16$ pro Tag
1 Mrd >64$ pro Tag

Insbesondere wir aus den entwickelten Ländern tun uns schwer, die erstaunlichen Fortschritte der anderen 6 Mrd Menschen zu begreifen. Und ja, es gibt leider immer noch mindestens 1 Mrd Menschen, die nicht wissen, was sie am nächsten Tag essen sollen. Es sind nur nicht diese Massen, wie wir immer denken.

 

Erkenntnis 3: Vieles wird besser, nicht schlimmer

Welcher Aussage würdest du eher zustimmen?

  • Die Welt wird besser
  • Die Welt wird schlechter
  • Die Welt bleibt gleich

Tatsächlich ist die erste Antwort richtig. Gerade bei den Einschätzungen zur extremen Armut auf der Welt lagen die meisten Befragten in Hans Roslings Studie komplett daneben.

Die gute Nachricht ist, dass sich der Anteil der extremen Armut auf der Welt so gut wie halbiert hat. Eigentlich logisch, wenn man bedenkt, wie viele Menschen alleine in China nach Einführung des kapitalistischen Systems der Armut entronnen sind. Gleiches gilt für einige asiatische und afrikanische Staaten, die dank der Segnungen des Internets ganz neue Möglichkeiten bekommen haben.

Woher kommt dann die grobe Fehleinschätzung der Teilnehmer? In “Factfulness” schreibt Hans Rosling, dass wir einen “Instinkt der Negativität” haben. Wir neigen alle dazu, negativen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als positiven.

Klingt für mich auch logisch, denn wer in der Steinzeit nur lustige Witze gemacht hat, wird wohl nicht lange überlebt haben. Da ist so eine Art Frühwarnsystem vor negativen Gefahren deutlich lebensverlängernder. Das ist also der Grund, warum die reißerischen, negativen Schlagzeilen in unserem Bewusstsein viel mehr Gehör finden. Da werden die Erfolge und Verbesserungen in der Welt leicht mal übersehen. Also können wir infolgedessen gar nicht anders, als dieses Weltbild zu entwickeln.

Aber da du es ja jetzt besser weißt, kannst du die Dinge in der Welt etwas differenzierter betrachten. Schreib mir doch gerne in die Kommentare, wie du die Welt zu einem besseren Ort machen möchtest, bei mir finden diese Nachrichten auf jeden Fall Gehör!

 

Erkenntnis 4: Entwicklungen sind nicht immer linear

Spätestens seit Corona wissen wir, dass eine Entwicklung meistens keine gerade Linie in die Zukunft ist. Hans Rosling selbst führt hier das Wachstum eines Kindes an. Ein Kind wächst nach der Geburt extrem schnell. Wenn es das Tempo linear halten würde, dann wäre ein zehnjähriges Kind über 4 Meter groß. Weltweit hören wir immer vom Problem der Überbevölkerung.

Ich habe hier mal eine Statistik zur Entwicklung der Weltbevölkerung seit 2000 Jahren ausgegraben. Wie du sehen kannst, ist auch dieses Wachstum nicht linear, sondern exponentiell und flacht immer mehr ab.

 

Statistik: Entwicklung der Weltbevölkerungszahl von Christi Geburt bis zum Jahr 2020 (in Milliarden)* | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

 

Derzeit gibt es 7,8 Mrd Menschen auf der Erde. Glaubt man den Prognosen, sind es 2100 11 Mrd. Klar, eine enorme Anzahl.

Das Wachstum verlangsamt sich jedoch zusehends. So habe sich die Anzahl Kinder pro Frau von 5 auf unter 2,5 in den letzten 50 Jahren halbiert, so Hans Rosling. Das bedeutet, dass sich die Kurve immer mehr verflacht und keine stetige Linie nach oben ist.

 

Erkenntnis 5: Der Instinkt der Angst führt zu Fehleinschätzungen

Laut Hans Rosling lassen sich kritisches Denken und Angst nicht vereinbaren. Damit sie unsere Aufmerksamkeit erregen, arbeiten Medien oft mit unseren Ängsten. So auch bei Naturkatastrophen, die gefühlt immer mehr werden.

Tatsächlich haben sich die Todesfälle durch Naturkatastrophen in den letzten 100 Jahren mehr als halbiert. Bessere Technik zum Schutz, effizientere Maschinen zur Rettung und verbesserte medizinische Notfallversorgung machen es möglich. 10% richtige Antworten in Rosling Test zeigen, dass hier noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist. 

 

Erkenntnis 6: Zahlen müssen im Zusammenhang gesehen werden

Mit dem “Instinkt der Dimension” wird in Factfulness das Phänomen beschrieben, dass wir manche Dinge nicht im richtigen Verhältnis sehen. In Mosambik konnte Rosling nicht jedes einzelne todkranke Kind behandeln, ohne die anderen todkranken Kinder zu vernachlässigen.

Sein Schluss war, dass man die Dimension richtig verstehen müsse, um Dinge nicht ständig zu unter- oder überschätzen. 2016 sind weltweit 4,2 Mio Babys an vermeidbaren Krankheiten gestorben, was immer noch ein unhaltbarer Zustand ist. Doch die Relation zum Jahr 1950 mit 14,4 Mio gestorbenen Kindern macht deutlich, dass sich die Dinge deutlich gebessert haben.

 

Erkenntnis 7: Verallgemeinerungen sind zu vermeiden

Der menschliche Geist denkt in Kategorien und neigt dazu, alles zu verallgemeinern. Dieser “Instinkt der Verallgemeinerung” verzerrt unser Weltbild, nicht zuletzt durch die Medien. So ist auch zu erklären, wenn ständig Straftaten von Flüchtlingen in den Medien auftauchen, dass einige rechte Parteien leichtes Spiel mit ihren Verallgemeinerungen haben. 

Hans Rosling führt als Beispiel Bilder von extremer Armut an, die uns zum Trugschluss verleiten, dass weite Teile der Welt immer ärmer werden. Zum jetzigen Zeitpunkt leben 2 Mrd Menschen in der bereits beschriebenen Stufe 3 (16$ pro Tag). Im Jahr 2040 sollen es doppelt so viele sein. Von diesen sozialen Aufsteigern werden viele Menschen in Afrika und Asien zu finden sein. Wir müssen uns also von der Vorstellung lösen, dass fast alle Menschen in Afrika bitterarm wären.

 

Erkenntnis 8: Nichts ist unveränderlich

Wir sehen mit dem “Instinkt des Schicksals” viele Merkmale anderer Länder und Völker als unveränderlich und naturgegeben an. Mit den etablierten Vorstellungen im Kopf weigern wir uns, Fortschritte wahrzunehmen.

Zahlreiche Beispiele sollten uns jedoch das Gegenteil beweisen. Südkorea galt in den 1960er Jahren als bitterarm und wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem der modernsten und reichsten Länder der Welt.

Ich selbst glaube, dass wir in unserer Wohlstandsblase in Deutschland/Europa die mächtigen Entwicklungen in Asien und Afrika massiv unterschätzen. Doch wir werden höchstwahrscheinlich eines besseren belehrt werden, wenn wir weiterhin Sätze wie “Das war schon immer so” verwenden.

 

Erkenntnis 9: Zahlen allein erklären nicht die Welt

Wir mögen einfache Lösungen. Komplexe oder schwierige Sachverhalte schrecken uns ab. Das machen sich einerseits viele Politiker zunutze, aber auch viele Experten. Sie betonen häufig dramatische Fakten, während sie die bereits erzielten Fortschritte unter den Teppich kehren. Hans Rosling schreibt in Factfulness: “Die Welt lässt sich nicht ohne Zahlen verstehen, aber auch nicht mit Zahlen allein”

 

Erkenntnis 10: Schuldzuweisungen greifen meistens zu kurz

Bei schlimmen Ereignissen wird immer sofort nach dem Schuldigen gesucht. Was das in der Geschichte angerichtet hat, wissen wir: Juden wurden für die Pest verantwortlich gemacht, Hexen wurden verbrannt und was im Dritten Reich passiert ist, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

So wird anstatt der wahren Ursache oft zu den üblichen Verdächtigen gegriffen – böse Ausländer, betrügerische Unternehmer, lügende Journalisten. Was die wahre Ursache ist, wäre für den menschlichen Geist oft viel zu anstrengend zu ergründen.

 

Erkenntnis 11: Nicht alles ist so dringlich, wie es scheint

Täglich werden wir an unseren “Instinkt der Dringlichkeit” erinnert. In der Klimadebatte ist ein beliebter Satz “Nur wenn wir jetzt handeln, lässt sich der Klimawandel noch aufhalten”. Diese Entweder-oder-Appelle suggerieren einen Zeitdruck und lassen uns oft unüberlegte Entscheidungen treffen. In jetzigen Corona-Zeiten passt Roslings Beispiel einer Pandemie sehr gut. Hier ist Eile geboten, jedoch sollte sich zum gründlichen Nachdenken Zeit genommen werden.

Hans Rosling selbst ist in diese Denkfalle geraten, als sich in Mosambik eine neue Krankheit ausgebreitet hat. Gemeinsam mit dem Bürgermeister wurden Straßensperren errichtet. Einige Bewohner konnten deswegen nicht den Bus nehmen und wichen auf Boote aus. Dabei kenterten sie und ertranken. Seine Lehre dabei war, sich trotz Dringlichkeit ruhig zu verhalten und besonnen die Entscheidungen tätigen, um sie nicht nachher zu bereuen.

 

Mache es wie Tim Ferriss und konsumiere einfach (fast) keine Nachrichten mehr

Seit ich die 4-Stunden-Woche* von Tim Ferriss gelesen habe, konsumiere ich fast keine Nachrichten mehr. Denn darin stellt er die folgende Frage: Was nützt es einem persönlich, zu wissen, dass diese Ereignisse geschehen. Richtig, nichts.

Man kann sie nicht ändern oder ungeschehen machen. Sie bombardieren dich nur mit Negativität und schaden eher, als dass sie dir nutzen. Und glaube mir, die wirklich wichtigen Nachrichten werden immer zu dir durchdringen. Ob in der U-Bahn, in Gesprächen oder an einem Kiosk, an dem du vorbei läufst.

Ich hoffe, ich habe dein Weltbild nicht allzu sehr erschüttert. Was glaubst du? Entwickelt sich die Welt zum Besseren oder Schlechteren? Als unverbesserlicher Optimist glaube ich Gott sei Dank schon immer an die stetige Verbesserung! Schreib mir doch mal deine Meinung in die Kommentare!

 

Dieser Artikel bringt dich weiter:

Wie du produktiver, entspannter und glücklicher wirst, indem du auf Nachrichten verzichtest*

 

Hier kannst du Hans Rosling bei TED Talks sehen:

 

Hier bekommst du Factfulness als Buch*

Viele Grüße

Dein Constantin

 

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf solch einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

>