Abmeldung aus Deutschland – Komplettanleitung für Digitale Nomaden

Als digitaler Nomade kannst Du die Freiheit genießen, von überall auf der Welt Deiner Arbeit nachzugehen. Einzige Bedingung ist eine Internetverbindung. Das Arbeiten vom Strand, das Kennenlernen fremder Kulturen oder einfach das Gefühl einer grenzenlosen Freiheit sind Möglichkeiten, die Dir heutzutage offenstehen.

Wenn Du Dich für den Weg als digitaler Nomade entscheidest und die Welt bereisen willst, musst Du allerdings doch ein paar formale Aspekte beachten. Das betrifft vor allem die Abmeldung aus Deutschland. Bist Du mehr als ein Jahr im Ausland, ist eine solche Abmeldung aus Deutschland für Dich in der Regel sinnvoll. Du gibst dann einige Pflichten, aber auch Rechte auf. Auf was Du bei Deiner Abmeldung aus Deutschland achten und was Du bedenken solltest, erläutert Dir der nachfolgende Artikel.

Hinweis: Das ist keine Rechtsberatung o.ä. – Ich gebe lediglich einen Leitfaden an die Hand mit dem Wissen, das ich recherchiert habe.

 

Die Pflicht zur Abmeldung aus Deutschland

Im Gegensatz zu anderen Ländern besteht in Deutschland eine Meldepflicht. Das bedeutet, dass Du nach dem Meldegesetz verpflichtet bist, Deine Wohnadresse dem zuständigen Amt zu melden. Wenn Du innerhalb Deutschlands umziehst, musst Du bis spätestens zwei Wochen nach Einzug Deine neue Wohnadresse bei der Meldebehörde anmelden. Für Dich entscheidender: Wenn Du ins Ausland wegziehst, musst Du Dich bei der Meldebehörde innerhalb von zwei Wochen nach Deinem Auszug abmelden.

Wenn Du Dich sicherheitshalber vorzeitig abmelden willst, gibt es dazu auch eine Frist. In der Regel ist es nicht möglich, sich früher als eine Woche vor dem Auszug abzumelden.

Die Pflicht zur Abmeldung, wenn Du ins Ausland gehst, besteht nur dann, wenn Du für längere Zeit wegziehst und Deine bisherige Wohnung in Zukunft nicht mehr bewohnen wirst. Eine längere Reise, ein Auslandssemester oder ein mehrmonatiger beruflicher Auslandsaufenthalt verpflichten Dich nicht für eine Abmeldung aus Deutschland.

Solltest Du die Idee haben, in Deutschland einen Zweitwohnsitz beizubehalten, ist das nicht möglich. Einen Zweitwohnsitz in Deutschland kann es nur geben, wenn der Erstwohnsitz ebenfalls in Deutschland ist. Mit der Abmeldung aus Deutschland kann auch keine Zweitwohnung gemeldet bleiben.

Was überhaupt eine Wohnung ist, wird gesetzlich im Bundesmeldegesetz beschrieben. Hiernach ist eine Wohnung jeder umschlossene Raum zum Wohnen oder Schlafen. Zu beachten ist, dass Wohnmobile gesondert geregelt werden nach den jeweiligen Meldegesetzen des Bundeslandes. Trifft dieser Fall auf Dich zu, musst Du Dich entsprechend nach Deinem Wohnort nach dem richtigen Vorgehen informieren.

Wenn Du der Meldepflicht nicht nachkommst, stellt das eine Ordnungswidrigkeit dar. Die wird mit einem Bußgeld belegt. Das gilt auch bei einer verpassten oder verspäteten Abmeldung aus Deutschland. In der Praxis wird häufig von einem Bußgeld abgesehen, vor allem wenn Du bei einer nachträglichen Abmeldung die Verspätung begründen kannst und Dich reumütig zeigst. Bei einem Umzug ins Ausland ist eine zweiwöchige Frist oft nicht einzuhalten. Aber selbst bei mehreren Monaten oder sogar Jahren zeigen sich die Sachbearbeiter in der Meldebehörde durchaus verständnisvoll.

 

Wie läuft eine Abmeldung aus Deutschland ab?

Die Abmeldung selbst ist sehr einfach. Dafür wirst Du beim Einwohnermeldeamt vorstellig. Das Einwohnermeldeamt ist bei den meisten Städten und Kommunen Teil des Bürgeramts. Dort teilst Du dem Sachbearbeiter mit, dass Du ins Ausland umziehst. Du füllst dafür einfach ein Abmeldeformular aus und musst Deinen Personalausweis oder Reisepass vorzeigen. Das Abmeldeformular bieten einige Meldebehörden auf deren Internetpräsenz zum Download an. Du kannst das Formular somit in Ruhe zuhause ausfüllen und dann zum Einwohnermeldeamt mitbringen.

Bei einem Verzug außerhalb Deutschland wird Dich der Sachbearbeiter vermutlich nach einer Folgeadresse fragen. Du musst keine Folgeadresse angeben. Ein Land oder eine Stadt reicht, selbst wenn diese nur Zwischenstopp ist, oder auch gar keine Angabe.

Je nach Bundesland wird auf Deinem Personalausweis ein Sticker angebracht, der aussagt, dass Du keinen Hauptwohnsitz mehr in Deutschland hast. Entscheidend bei Deiner Abmeldung aus Deutschland ist aber vielmehr, dass Du eine Abmeldebescheinigung erhältst. Die solltest Du gut aufbewahren.

Bei den meisten Meldebehörden kannst Du die Abmeldung aus Deutschland auch postalisch durchführen. Gerade wenn Du Dich nachträglich abmeldest und schon im Ausland bist, ist der postalische Weg der einfachere. Die Abmeldebestätigung wird Dir dann zu einer von Dir angegebenen Adresse geschickt. Das kann mehrere Wochen dauern. Alternativ kannst Du auch jemanden bevollmächtigen, der Dich in Deinem Namen abmeldet.

 

Wofür ist die Abmeldebescheinigung wichtig?

Die Abmeldebescheinigung benötigst Du für verschiedene formale Aspekte. Ein Aspekt sind Passangelegenheiten, wenn Du beispielsweise im Ausland einen neuen Reisepass benötigst. Diesen kannst Du bei einer deutschen Auslandsvertretung beantragen, denen Du diese Bescheinigung vorlegen musst. Ohne Bescheinigung ist eine Ausstellung eines neuen Passes möglich, aber erheblich teurer.

Die Abmeldebescheinigung brauchst Du zudem für weitere Behördengänge, insbesondere für das Finanzamt und die Krankenversicherung. Beim Finanzamt solltest Du dich abmelden, um nicht mehr unter deutsches Steuerrecht zu fallen. Bei der Krankenversicherung ist die Abmeldebescheinigung wichtig, um die Versicherung stillzulegen oder zu kündigen. Die Abmeldebescheinigung hilft zudem bei weiteren außerordentlichen Kündigungen wie Strom-, Gas- und Internetverträgen.

 

Wie steht es um eine vorübergehende oder volle Rückkehr nach Deutschland

Natürlich steht es Dir frei, jederzeit nach Deutschland zurückzukehren. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du nur zu Besuch bist oder ganz zurückkommen möchtest. Allerdings gibt es auch hier einige Formalia zu beachten.

Wenn Du nur zu Besuch nach Deutschland zurückkehrst, musst Du Dich nicht bei der Meldebehörde neu anmelden. Das gilt für Besuche, die nicht länger als drei Monate dauern. Bleibst Du länger als drei Monate, musst Du Dich wiederanmelden.

Kehrst Du permanent zurück oder beziehst eine eigene Wohnung, dann gilt die Meldepflicht und Du musst Dich innerhalb von zwei Wochen nach dem Einzug bei der Meldebehörde anmelden. Hierbei musst Du beachten, dass Du Dich nicht einfach bei der Adresse von Freunden oder Verwandten anmelden kannst. Es muss Wohnraum für Dich zur Verfügung stehen. Die Behörde könnte eine Wohnungsgeberbescheinigung Deines Vermieters verlangen.

Interessant ist der Fall, wenn Du Deine Wohnung in Deutschland nicht kündigst, Dich aber abmeldest. So hättest Du Deine Wohnung für Heimatbesuche zur Verfügung. Prinzipiell ist das möglich. Du solltest das allerdings unbedingt mit Deinem Vermieter absprechen.

Wenn Du die eigene Wohnung nicht kündigst und sie Dir jederzeit zur Verfügung steht, musst Du Dich nicht mal aus Deutschland abmelden. Du kannst also einfach in Deutschland gemeldet bleiben, aber im Ausland leben. Zu beachten ist hierbei, dass das steuerliche Konsequenzen hat und Du damit eine postalische Erreichbarkeit signalisierst. Wenn behördliche Schreiben mit Fristen Deine deutsche Wohnadresse erreichen, bist Du für die Fristeinhaltung verantwortlich.

 

Folgen der Abmeldung aus Deutschland

Mit der Abmeldung Deines deutschen Wohnsitzes verlierst Du Rechte und Pflichten. Das hat natürlich verschiedene Vor- und Nachteile. Grundsätzlich ist eine Abmeldung aus Deutschland für Dich immer dann sinnvoll, wenn Du für längere Zeit, mindestens mehrere Monate am Stück, im Ausland leben willst. Nachfolgend einige Konsequenzen einer Abmeldung aus Deutschland.

 

Krankenversicherungspflicht erlischt

Mit der Abmeldung erlischt Deine Krankenversicherungspflicht und auch die Pflegeversicherungspflicht. Du musst Dich somit nicht mehr gesetzlich krankenversichern. Für die Kündigung ist die Abmeldebescheinigung notwendig, wobei ein Nachweis, dass Dein gewöhnlicher Aufenthalt nun im Ausland ist, auch genügt.

Wenn Du freiwillig gesetzlich oder privat krankenversichert bist und Du nach Deutschland wieder zurückkehren wirst, ist eine Anwartschaftsversicherung sinnvoll. So wirst Du einfacher wieder in Deine alte Krankenversicherung nach Deiner Rückkehr wiederaufgenommen.

Wenn Du im Ausland über eine deutsche Versicherung krankenversichert bleiben willst, gibt es da auch Möglichkeiten. Bei einem zeitlich befristeten Auslandsaufenthalt gibt es die Reiseversicherung. Hier ist in der Regel aber eine deutsche Meldeadresse erforderlich. Internationale Versicherer bieten alternative Lösungen an. Bei sehr langen Auslandsaufenthalten kann sich der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung lohnen. Im Gegensatz zur Reiseversicherung ist die Auslandskrankenversicherung zeitlich unbefristet, aber auch deutlich teurer.

Zum Thema Krankenversicherung habe ich bereits einen Artikel geschrieben. Darin erfährst du alles, was du wissen musst:

Die richtige Krankenversicherung für Digitale Nomaden

 

Rentenversicherungspflicht erlischt

Mit Deiner Abmeldung aus Deutschland erlischt auch Deine Pflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung. Du kannst aber freiwillige Beitragszahlungen mit individuellen Beitragshöhen vereinbaren. Deine Rentenansprüche, bisherige wie auch durch freiwillige Beiträge erworbene, verfallen nicht. Wenn Du in die Rente eintrittst, wird Deine Rente auch ins Ausland ausgezahlt. Die Deutsche Rentenversicherung gibt Dir weitere Informationen hierzu. Den Rentenantrag kannst Du übrigens später bei einer deutschen Auslandsvertretung stellen.

 

Komplexes Thema Steuerrecht

Nach dem Steuerrecht ergibt sich Deine Steuerpflicht unter anderem nach Deinem gewöhnlichen Aufenthaltsort. Das bedeutet, dass eine Abmeldung aus Deutschland kein entscheidendes Kriterium ist, sondern wo Du Dich tatsächlich im Steuerjahr größtenteils aufgehalten hast. Der gewöhnliche Aufenthalt muss nicht Deiner Meldeadresse entsprechen.

Eine Abmeldebescheinigung kann für das Finanzamt ein Hinweis sein, dass Du Deinen gewöhnlichen Aufenthaltsort ins Ausland verlegst und somit nicht mehr im gleichen Maße steuerpflichtig bist. Behältst Du Deine Wohnung in Deutschland, spricht das steuerrechtlich für einen gewöhnlichen Aufenthaltsort und Du wirst weiter nach dem deutschen Steuerrecht veranlagt.

Weiterhin musst Du beachten, dass Du auch im Ausland nach deutschem Steuerrecht beschränkt steuerpflichtig sein kannst. Das ist der Fall, wenn Du zwar im Ausland lebst, aber Einkünfte aus Deutschland beziehst oder eine wirtschaftliche Beziehung nach Deutschland hast. Die in Deutschland erzielten Einkünfte musst Du dann nach deutschem Steuertarif versteuern. Zudem musst Du darauf achten, wie Einkünfte aus Deutschland im Land Deines neuen Wohnsitzes behandelt werden.

Dieser Artikel bringt dich weiter:

Der ultimative Steuer-Guide für Digitale Nomaden

 

Unterschied Meldeadresse und Postadresse

Deine Meldeadresse ist die postalische Anschrift, unter der Du für Behörden zu erreichen bist. Ohne Folgeadresse kannst Du behördliche und gerichtliche Schreiben nicht mehr erhalten. Es ist auch nicht möglich, diese Schreiben an Bekannte oder einen Dienstleister schicken zu lassen. Selbst bei einem Nachsendeantrag, den Du bei der Post stellst, werden behördliche Schreiben nicht weitergesendet.

Das sieht anders bei Deiner Postadresse aus. Das ist nämlich die Adresse, die Du bei privaten Unternehmen oder Bekannten angegeben hast. Hier kannst Du auch die Adresse von Bekannten oder Dienstleistern angeben, die dann Deine Post an dich weiterleiten oder einscannen. Auch der Nachsendeauftrag kann an eine beliebige Postadresse verweisen.

 

Außerordentliche Kündigung von Dienstleistungsverträgen

Du wirst ganz unterschiedliche Dienstleistungsverträge abgeschlossen haben. Beispielsweise für Strom, Gas, Telefon, Internet und Versicherungen. Wenn Du die Verträge weiterführen willst, kannst Du das natürlich tun. Wichtig ist nur eine gültige Postadresse.

In vielen Fällen willst Du die Verträge kündigen wollen. Gesetzlich hast Du ein Recht auf außerordentliche und fristlose Kündigung Deiner Verträge, wenn die vertraglichen Bedingungen unzumutbar werden. Ein Beispiel dafür ist, wenn die vertragliche Leistung an Deinen neuen Wohnort im Ausland nicht angeboten werden kann. Das dürfte typischerweise der Fall sein.

Hier kommt die Abmeldebescheinigung zur Hilfe. Du setzt Deine Vertragspartner von Deinem Umzug in Kenntnis, gibst den Kündigungsgrund an und fügst eine Kopie der Abmeldebescheinigung bei. Damit dürftest Du die Verträge problemlos kündigen können.

 

Was ist bei Bankkonten zu beachten?

Willst Du Dein deutsches Bankkonto kündigen, kannst Du das jederzeit tun. Interessanter ist der Fall, wenn Du Dein deutsches Bankkonto behalten möchtest. Das ist bei Direktbanken, die rein online agieren, meist unproblematisch möglich. Du kannst bei Direktbanken aus dem Ausland sogar oft ein Konto per PostIdent oder VideoIdent eröffnen.

Bei Fillialbanken hängt es davon ab, was die Allgemeinen Geschäftsbedingungen aussagen. Schreiben die AGB vor, dass Du einen Wohnsitz in Deutschland haben musst, kannst Du das Bankkonto nicht behalten. Missachtest Du das, kann die Bank ihrerseits Dein Bankkonto kündigen und bis zur Klärung sogar sperren.

 

Eigenes Kfz im Ausland

Allgemein gilt, dass Du Dein Auto in dem Land anmelden musst, in dem Du Deinen Wohnsitz hast. Innerhalb der EU gibt es ein paar Vereinfachungen, so kannst Du Dein Auto in Deutschland zumindest für sechs Monate gemeldet lassen.

 

Weitere behördliche Dokumente

Einen neuen Reisepass kannst Du in einem deutschen Konsulat oder einer deutschen Botschaft im Ausland beantragen. Die Abmeldebescheinigung erleichtert Dir das Prozedere. Bei einer Auslandsvertretung kannst Du zudem die Wiederaufnahme ins Wahlregister beantragen. Mit der Abmeldung aus Deutschland bist Du aus dem Wahlregister zunächst gelöscht worden.

Einen internationalen Führerschein solltest Du vor der Abmeldung aus Deutschland beantragen, ansonsten wird es sehr kompliziert. Du solltest Dich informieren, inwieweit Du im Ausland mit einem deutschen Führerschein fahren darfst oder wie eine Umschreibung funktioniert.

 

Konsequenzen für Deine Geschäftstätigkeiten

Ein bestehendes Gewerbe in Deutschland kannst Du im Ausland weiterführen, aber nicht gründen. Es muss eine ladungsfähige deutsche Adresse vorhanden sein. Das gilt auch für Einzelunternehmer. Als ladungsfähige Adresse kann ein Coworking Space, ein Shared Office oder auch Dein Steuerberater dienen. Ein Postfach ist nicht ausreichend.

Wichtig ist, dass Du oder ein Zustellungsbevollmächtigter Post entgegennehmen können. Es gibt entsprechende Services, die Briefkästen als ladungsfähige Adresse anbieten. Bei Deinen Webseiten musst Du im Impressum ebenfalls eine solche deutsche ladungsfähige Adresse angeben.

 

Fazit: Willkommen in einer Welt mit weniger Pflichten!

Wie du gelesen hast, kannst du mit dem Schritt raus aus Deutschland viele Fesseln ablegen. Freue dich auf die Freiheit und was in deinem neuen Leben alles auf dich zukommt!

Freiheitliche Grüße

Dein Constantin

 

Dieser Blog bringt dich weiter

Alles zum Thema Perpetual Traveling, Steuern und Abmeldung aus Deutschland behandelt Christoph Heuermann in seinem Blog:

www.staatenlos.ch

>