Der ultimative Steuer-Guide für Digitale Nomaden

Als digitaler Nomade hast Du die Möglichkeit, von jedem Ort der Welt aus zu arbeiten – ganz nach Deinen eigenen Vorstellungen. Befindest Du Dich über längere Zeit im Ausland, so kommt daher auch häufig die Frage auf, welche Steuern digitale Nomaden beachten müssen. Das deutsche Steuersystem ist äußerst komplex und kann für jeden digitalen Nomaden unterschiedlich ausfallen: Abhängig für die Besteuerung sind dabei oftmals der Wohnsitz, die Art der Selbstständigkeit sowie der Ort, an welchem die Einkünfte bezogen werden. Im nachfolgenden Steuer Guide für digitale Nomaden erfährst Du alles Wichtige, um sicherzugehen, dass Deine Besteuerung nicht zu hoch ausfällt oder Du mit einigen Veränderungen sogar Steuern sparen kannst!

Hinweis: Das ist keine Steuerberatung und ich bin auch kein Steuerberater. Der Artikel ist das Ergebnis von gewissenhafter Recherche.

Welchem steuerlichen Status unterliegst Du?

Zunächst solltest Du Deinen persönlichen steuerlichen Status in Deutschland genau kennen. Dieser ist abhängig von Deinem steuerlichen Wohnsitz und dem Ort, an welchem Du Deine Einkünfte beziehst. Beachte, dass es sich bei Deinem Steuerstatus um die Einkommenssteuer handelt.

Steuerpflicht

Es kann grundsätzlich zwischen vier verschiedenen Arten der Steuerpflicht unterschieden werden, welche für Dich als digitaler Nomade von wichtiger Bedeutung sind: Zum einen gibt es die unbeschränkte Steuerpflicht. Diese liegt vor, wenn Du über Deinen steuerlichen Wohnsitz in Deutschland verfügst beziehungsweise Dich für gewöhnlich in Deutschland aufhältst. Dein weltweit erzieltest Einkommen unterliegt somit der Einkommenssteuer in Deutschland. Zum anderen gibt es die beschränkte Steuerpflicht. In diesem Fall befindet sich Dein steuerlicher Wohnsitz im Ausland beziehungsweise Du hältst Dich für gewöhnlich im Ausland auf. In diesem Fall unterliegen ausschließlich alle Einkünfte, welche Du in Deutschland beziehst, der Steuerpflicht.

Darüber hinaus gibt es die erweitert beschränkte Steuerpflicht. Diese liegt vor, wenn sich Dein steuerlicher Wohnsitz in einem Niedrigsteuerland befindet, Du aber Einkünfte aus Deutschland beziehst. Hier kommt besonders häufig die Frage auf, welche Steuern digitale Nomaden zahlen müssen. Grundsätzlich gilt: Alle in Deutschland erwirtschafteten Einkünfte unterliegen der Steuerpflicht. Zudem kannst Du auch keiner Steuerpflicht unterliegen. Dies ist ausschließlich der Fall, wenn Du über keinen steuerlichen Wohnsitz in Deutschland verfügst und keine Einkünfte aus Deutschland beziehst. In diesem Fall bist Du von der Steuer befreit.

Steuerlicher Wohnsitz

Von welchen Steuern digitale Nomaden betroffen sind, ist stets abhängig von dem steuerlichen Wohnsitz. Dein steuerlicher Wohnsitz besteht an dem Ort, an welchem Du eine Wohnung besitzt oder Dich mehr als sechs Monate pro Jahr aufhältst. Der steuerliche Wohnsitz lässt sich in einigen Fällen aber gar nicht so einfach festlegen und ist daher auch stets eine Definitionssache: Hältst Du Dich nicht nur vorübergehend an einen Ort auf, sondern kehrst regelmäßig zu diesem zurück und besitzt eine soziale oder berufliche Bindung zu diesem, so kann dieser in einigen Fällen auch als Dein gewöhnlicher Aufenthaltsort eingestuft werden.

Um wiederum sicherzugehen, dass sich Dein steuerlicher Wohnsitz nicht in Deutschland befindet, musst Du einige Faktoren beachten: Zum einen musst Du Dich aus Deutschland abgemeldet haben und Deine Wohnung gekündigt – oder langfristig untervermietet haben. Zum anderen musst Du nicht in der Verfügungsgewalt eines alten Zimmers bei Deinen Freunden oder Verwandten sein. Des Weiteren muss Dein Aufenthalt in Deutschland bei Besuchen bei weniger als sechs Monaten pro Jahr liegen. Darüber hinaus musst Du die meisten Verträge, Abos und Mitgliedschaften in Deutschland gekündigt haben. Nur so kannst Du Dir sicher sein, über keinen steuerlichen Wohnsitz mehr in Deutschland zu verfügen.

Verschiedene Arten von Einkünften

Von welchen Steuern digitale Nomaden betroffen sind, hängt auch von der Herkunft der Einkünfte ab, denn unterschiedliche Arten von Einkünften unterliegen wiederum unterschiedlichen Besteuerungen. Es handelt sich hierbei um alle Arten von Einkünften, welche aus Deutschland bezogen werden. Unterschieden werden kann grundsätzlich zwischen Gewinneinkünften und Überschusseinkünften.

Bei den Gewinneinkünften handelt es sich um jegliche Einkünfte, welche Du als Gewerbetreibender in Deutschland erwirtschaftest. Die Gewinneinkünfte ergeben sich grundsätzlich durch eine Gegenüberstellung Deiner Einnahme und Ausgaben. Beachten solltest Du hier, dass Du ab einem Gewinn von 60.000 € oder einem Umsatz von 600.000 € in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zur Bilanzierung verpflichtet bist. Neben den Einkünften aus einem Gewerbe, welche für Freelancer und Gesellschafter gelten – können zu den Gewinneinkünften aber auch Einkünfte aus selbstständiger Arbeit gezählt werden. Diese liegen vor, wenn Du als Freiberufler oder Gesellschafter-Geschäftsführer tätig bist.

Bei den Überschusseinkünften handelt es sich wiederum um jegliche Einkünfte, welche Du als Angestellter – und aus Gewinnen durch Immobilien und Wertpapiere sowie weiteren Bezügen erwirtschaftest. Bist Du als digitaler Nomade ein Angestellter in Deutschland, so wird Deine Lohnsteuer automatisch an das Finanzamt übermittelt. Hier hast Du es also besonders einfach. Deine Einkünfte aus Kapitalvermögen unterliegen wiederum einem besonderen Steuersatz, welcher sich ausschließlich auf solche Einkünfte bezieht. Einkünfte aus der Vermietung und Verpachtung von Immobilien musst Du ebenfalls versteuern, wenn sich die Immobilien in Deutschland befinden, in ein deutsches Register eingetragen sind oder einer deutschen Betriebsstätte angehören. Weiterhin zählen zu Deinen zu versteuernden Überschusseinkünften sämtliche Rentenbezüge, Unterhaltszahlungen, Veräußerungsgeschäfte sowie die Einkünfte aus der Vermietung von beweglichen Gütern.

Unterschiedliche Arten der Steuerpflicht

Geht es darum, welche Steuern digitale Nomaden zahlen müssen, so muss zwischen den verschiedenen Arten der Steuerpflicht unterschieden werden. Jetzt, wo Du Deinen Steuerstatus genauer einschätzen kannst, erfährst Du im Steuer Guide für digitale Nomaden, welche Steuern Du überhaupt zahlen musst.

Digitale Nomaden mit Gewerbe in Deutschland

Bist Du als digitaler Nomade in Form eines Einzelunternehmers mit Gewerbe in Deutschland tätig, so sind für Dich die Einkommenssteuer, die Gewerbesteuer und die Umsatzsteuer zu beachten. Viele digitale Nomaden fangen jedoch auch als Kleinunternehmer an. Bis zu einem Jahresumsatz von 17.500 € bist Du hier von der Umsatzsteuer befreit, musst allerdings die Einkommenssteuer sowie die Gewerbesteuer beachten. Bist Du wiederum als Freiberufler tätig, so musst Du die Einkommenssteuer beachten. Je nach Beruf musst Du hier aber auch die Umsatzsteuer zahlen. Auch als Freiberufler hast Du die Möglichkeit, bis zu einem Jahresumsatz von 17.500 € von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch zu machen und somit von der Umsatzsteuer befreit zu sein. Befindest Du Dich als digitaler Nomade in einer Personengesellschaft, so musst Du die Einkommenssteuer, die Umsatzsteuer, die Gewerbesteuer, die Körperschaftssteuer sowie den Solidaritätszuschlag beachten. Dies gilt auch für Kapitalgesellschaften – jedoch kommt hier noch die Lohnsteuer hinzu.

Digitale Nomaden mit Wohnsitz im Ausland aber Einkünften in Deutschland

Besitzt Du einen Wohnsitz im Ausland, beziehst aber Einkünfte in Deutschland, so bist Du beschränkt steuerpflichtig. Für alle Einkünfte, welche Du in Deutschland beziehst, gelten hier die gleichen Regelungen wie für die unbeschränkte Steuerpflicht. Du musst also nach wie vor Deine Steuererklärung für deutsche Einkünfte beim Finanzamt einreichen. Die Einkünfte, welche Du hingegen im Ausland beziehungsweise an dem Ort Deines ausländischen Wohnsitzes beziehst, werden nicht in Deutschland besteuern. Diese musst Du daher auch nicht auf Deiner deutschen Steuererklärung angeben.

Digitale Nomaden, welche sich vorübergehend im Ausland aufhalten

Hältst Du Dich als digitaler Nomade vorübergehend im Ausland auf, so gelten für Dich weiterhin alle Steuerpflichten für Einkünfte in Deutschland. Dennoch hast Du die Möglichkeit, Dich steuerlich aus Deutschland abzumelden. Sinnvoll ist dies jedoch nur bei einem langen Aufenthalt im Ausland. Hältst Du Dich lediglich für ein Jahr vorübergehend im Ausland auf, so musst Du für das laufende Jahr ohnehin eine Steuererklärung einreichen. Gleiches gilt für den Zeitpunkt Deiner Rückkehr aus dem Ausland. Der Schritt der steuerlichen Abmeldung aus Deutschland macht für Dich also nur Sinn, wenn Dein Auslandsaufenthalt ein Jahr überschreitet.

Digitale Nomaden mit ausländischem Wohnsitz und ohne Einkünfte in Deutschland

Befindet sich Dein Wohnsitz im Ausland und beziehst Du keine Einkünfte in Deutschland, so bist Du nicht steuerpflichtig in Deutschland – vorausgesetzt, das Finanzamt erkennt die Verlegung Deines Wohnsitzes ins Ausland an. Ist dies der Fall, so musst Du keine Steuererklärung mehr einreichen.

Die unterschiedlichen Arten von Steuern erklärt

Welche Steuern digitale Nomaden zahlen müssen, hängt stets von dem Steuerstatus und der Art der Einkünfte in Deutschland ab. Am relevantesten für Dich als digitaler Nomade sind in der Regel die Einkommenssteuer, die Umsatzsteuer und die Gewerbesteuer. Die Einkommenssteuer richtet sich stets nach Deinen aktuellen Einkünften. Bis zu einem Betrag von jährlich 9.168 € bist Du grundsätzlich von der Einkommenssteuer befreit. Es ist hier auch von dem „Steuerfreibetrag“ die Rede. Die Umsatzsteuer wird für Dich erst ab einem Umsatz von 17.500 € im ersten Jahr – und 50.000 € im zweiten Jahr fällig. Diese beläuft sich grundsätzlich auf 19 % – kann aber in einigen Ausnahmefällen auch 7 % betragen. Hast Du als digitaler Nomade gewerbliche Einkünfte, so musst Du die Gewerbesteuer ab einem jährlichen Gewinn von 24.500 € zahlen. Wie hoch die Gewerbesteuer ausfällt, hängt von der jeweiligen Gemeinde oder Stadt ab, in welcher Dein Gewerbe angemeldet ist.

Die steuerliche Abmeldung aus Deutschland

Eine steuerliche Abmeldung aus Deutschland ist für Dich als digitaler Nomade grundsätzlich möglich, wenn Du nicht in Deutschland steuerpflichtig bist. Meldest Du Dich beim Einwohnermeldeamt aus Deutschland ab, so erhält Dein zuständiges Finanzamt einen Bescheid darüber. Bist Du als digitaler Nomade selbstständig, so musst Du anschließend eine letzte Steuererklärung für das laufende Jahr abgeben, in welcher Du auch Deinen Umzug ins Ausland angibst. Unterlagst Du bis jetzt die Umsatzsteuerpflicht, so musst Du außerdem Deinen Umzug in Deinen Umsatzsteuervoranmeldungen, welche Du bisher monatlich abgeben musstest, angeben. Inwiefern die steuerliche Abmeldung aus Deutschland sinnvoll ist, hängt stets von der persönlichen Situation ab.

Digitale Produkte und Services – welche Steuern digitale Nomaden zahlen müssen

Digitale Nomaden beziehen häufig Einkünfte über digitale Produkte oder Services. Hier gelten grundsätzlich die gleichen steuerlichen Regelungen wie für jegliche Produkte und Services, welches offline – oder physisch angeboten werden. Als Freelancer musst Du in den meisten Fällen ebenfalls ein Gewerbe anmelden. Nur wenige Berufe fallen hier unter die „freien Berufe“ und setzen damit keine Gewerbeanmeldung voraus. Betreibst Du als digitaler Nomade Blogging und erwirtschaftest darüber Einkünfte, so kommst Du bei wiederkehrenden Einnahmen auch nicht um eine Gewerbeanmeldung herum. Dies gilt auch für den Fall, dass Du Informationsprodukte vertreibst. Betreibst Du als digitaler Nomade ein E-Commerce-Business, so musst Du ebenfalls ein Gewerbe betreiben und unterliegst damit allen steuerrechtlichen Regulierungen Deutschlands.

Buchhaltung und Rechnungen digitaler Nomaden

Digitale Nomaden erbringen ihre Leistungen oftmals online. Je nachdem, wie die Einkünfte erwirtschaftet werden, ist die Buchhaltung sowie das Erstellen oder Vorweisen von Rechnungen nicht immer einfach. Eine ordnungsgemäße Buchhaltung und Rechnung wird jedoch vom deutschen Staat an alle steuerpflichtigen Unternehmer – und damit auch an Dich als digitaler Nomade vorausgesetzt. So muss eine ordnungsgemäße Rechnung unter anderem Deinen vollständigen Namen und Deine Adresse enthalten – Gleiches gilt für Deinen jeweiligen Kunden. Weiterhin muss Deine Steuernummer – oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer vorhanden sein. Auch das Ausstellungsdatum, eine Rechnungsnummer sowie die Menge, Art, der Zeitpunkt und der Preis der verkauften Artikel oder Dienstleistungen müssen vorhanden sein. Darüber hinaus muss der Gesamtbetrag auf der Rechnung erkennbar sein. Unterliegst Du der Umsatzsteuerpflicht, so musst Du Rechnungen vorweisen. Als Kleinunternehmer oder Freiberufler sind für Dich hingegen sämtliche Belege wichtig, da Du diese eventuell Deinem Finanzamt übermitteln musst.

Weltweite Steuerfreiheit als digitaler Nomade?

Theoretisch ist es für Dich als digitaler Nomade möglich, weltweit steuerfrei zu sein und somit 100 % Deiner Einkünfte einzubehalten. Abhängig ist dies jedoch von einigen wichtigen Faktoren, welche nur bei wenigen digitalen Nomaden zutreffen. Zum einen musst Du in Deutschland keiner Steuerpflicht unterliegen. Lebst Du dauerhaft im Ausland beziehungsweise befindet sich hier Dein Wohnsitz und beziehst Du keine Einkünfte in Deutschland, so ist dies der Fall. Zum anderen musst Du im Ausland keiner Steuerpflicht unterliegen. Je nachdem, wo Du lebst, können unterschiedliche Steuergesetze vorliegen. Einige Länder verfügen zum Beispiel über einen deutlich höheren Steuerfreibetrag als Deutschland. In einige wenigen Ländern kannst Du außerdem auch das Glück haben, aufgrund einer bestimmten Art von Einkünften gar keiner Steuerpflicht zu unterliegen. Eine Unternehmensanmeldung in einem Land, in welchem die Möglichkeit zur Off-Shore-Versteuerung besteht, kann hier auch für Dich in Frage kommen.

Vor welcher steuerlichen Herausforderung stehst du gerade? Schreib mir doch gerne in die Kommentare!

Steuerliche Grüße

Dein Constantin

  • Guten Tag,

    ich genieße seit letztem Jahr ebenfalls mein Nomadenleben an der Grenze zwischen Oberbayern und Niederbayern.

    Wie ich meine Papierbelege sowie die meiner Mandanten (weltweit) unverlierbar mache:
    https://gj.business.site/posts/5014851367189740661?hl=de

    Mein privater Instagram-Account mit ein paar Impressionen meines RoadTaxOffice / „Steuerbüro auf der Straße“:
    https://www.instagram.com/roadtaxoffice/

    Beste Grüße
    Joseph Gaßner

  • Hallo Constantin,

    du kannst den Beitrag aktualisieren: Der Steuerfreibetrag und die Umsatzgrenzen für Kleinunternehmer sind seit 2020 höher.

    Grüße
    Liane

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