Was tun, wenn du dich in einem Land nicht wohlfühlst? – Was dir keiner übers digitale Nomadentum erzählt

Gerade sitze ich am Mutter-Teresa-Flughafen und warte darauf, endlich Albanien zu verlassen. Mit großen Erwartungen bin ich in das Land am Mittelmeer gereist. Noch gehyped von Budapest, dachte ich, dass ich hier viele Abenteuer erleben werde. Doch es war nicht geil. Ich habe mit dem Land einfach nicht gevibed, wie man so schön auf neudeutsch sagt. Und das, obwohl scheinbar das ganze Land zu 70 % aus deutschen Luxuskarossen von Mercedes oder BMW zu bestehen scheint. Obwohl alle Albaner sehr freundlich zu mir waren. Und es wunderschöne Berge gibt. 

Aber es ist wie manchmal in der Partnersuche – auch wenn der andere überragend aussieht, wenn keine Gefühle aufkommen, macht es keinen Spaß.

 

Dieser Artikel soll dir vor allem zwei Dinge bewusst machen:

  1. Es ist nicht immer alles Friede, Freude Eierkuchen.
  2. Solltest du das digitale Nomadentum als Flucht vor dir selbst nutzen – vergiss es, du lässt dein Inneres ja nicht daheim, sondern nimmst dich quasi selbst mit auf Reisen. Du musst dich schon selbst aushalten können.

 

Auch wenn auf Instagram immer alles aussieht wie ein Traum – meistens ist es auch ein Traum, manchmal aber auch nicht. 

Nichtsdestotrotz wachsen wir ja immer nur, wenn es uns scheiße geht. Deswegen waren die zwei Wochen in Albanien für mich sehr erkenntnisreich. Und an diesen Erkenntnissen möchte ich dich teilhaben lassen.

 

#1 Akzeptiere die Situation

Du musst nicht den Gute-Laune-Onkel auf Instagram rauslassen. Es ist OK, wenn du nicht jeden Tag dein angeblich perfektes Happy Life zeigst. Du musst nicht ständig den Leuten deine Cocktails oder Strandbilder zeigen. Du hast keine Verpflichtung für irgendetwas. Höhen und Tiefen gehören dazu, das ist das Leben. Wenn du das akzeptierst, ist vieles einfacher. 

 

#2 Mithilfe von Routinen lässt sich das innere Glück beeinflussen

Auch wenn mir das Land an sich keinen Spaß gemacht hat, konnte ich immer noch selbst dafür sorgen, wie es mir geht. Bereits mehrfach habe ich davon gesprochen, dass Glück Routine ist und Routinen Glück.

Was meine ich damit? Ich habe für mich selbst Routinen etabliert, die mein inneres Wohlbefinden steigern. Sei es mit regelmäßigem Meditieren, gesunder Ernährung oder Sport. Denn für alles gibt es eine Ursache. Fühlst du dich scheiße, sind möglicherweise die Ursache davon, dass du kein Sport machst und nur Junkfood schnabulierst. Fühlst du dich gut, ist die Ursache beispielsweise das regelmäßige Joggen oder Meditieren.

Die Sache bei mir ist, wenn es zu gut läuft, lasse ich diese Routinen schleifen. Also habe ich die Situation als Arschtritt für mich selbst genutzt, um die Routinen wieder regelmäßig auszuführen. So hast du dein Inneres selbst in der Hand und bist nicht deinen Launen ausgesetzt.

 

#3 Wenn es dir nicht gefällt, musst du nicht bis zum Ende bleiben

Das Airbnb ist für die nächsten 6 Wochen bezahlt, also musst du dort auch bleiben? Wozu? Warum solltest du dich quälen mit etwas, worauf du überhaupt keine Lust hast?

Wir neigen oft dazu, der Sunk Cost Fallacy zu erliegen. Nur weil wir für etwas bezahlt haben, leiden wir oft Wochen, Monate oder gar Jahre, anstatt es als Verlust zu verbuchen und etwas anderes zu machen. Mach nicht diesen Fehler! Brich deine Zelte ab und verschwinde an einen besseren Ort. Mein Plan war es 4 Wochen in Albanien zu bleiben, am Ende waren es 12 Tage. Und das ist ok so. 

 

#4 Reise weiter im Land

Vielleicht gefällt dir ja einfach die Stadt, die Insel oder das Dorf nicht. Egal, wo du dich gerade aufhältst, du kannst andere Ecken des Landes erkunden. Vielleicht gefällt es dir dort besser. Neulich habe ich das folgende Zitat gehört: „Wenn mir ein Land nicht gefällt, war ich einfach noch nicht lange genug in diesem Land“. Also geh einfach weiter. Neue Umgebung. Neues Glück. Und wenn du dann immer noch nicht auf einer Wellenlänge mit dem Land bist, fahr zum Flughafen und flieg in ein anderes Land. Du bist derjenige, der über dein Leben bestimmt.

 

#5 Führe ein Journal

Wie bereits erwähnt, kann eine Phase, in der du nicht gerade in Hochstimmung bist, extrem lehrreich sein. Es wäre schade, wenn du diese Erkenntnisse umsonst machst. Deswegen kann es sehr wertvoll sein, diese Ergüsse in einem Journal festzuhalten. Mache dir ein Word Dokument auf, nutze eine Journaling App oder ein Notizbuch. Egal, wie du es machst, Hauptsache, die lehrreichen Gedanken bleiben erhalten.

 

#6 Jetzt weißt du, was du nicht willst

Die Stadt ist zu dreckig, zu laut, zu voll? Oder es ist dir zu still, zu einsam, zu langweilig? Jetzt weißt du, was du nicht magst. Den Fehler machst du bei der nächsten Reise ab sofort nicht mehr. Denn du hast dich jetzt besser kennengelernt und weißt jetzt besser, was dich glücklich macht und was nicht.

 

#7 Suche dir Aktivitäten

Es nützt nichts, den ganzen Tag Däumchen zu drehen und griesgrämig zu sein. Überlege dir, wie du jetzt das Beste aus der Situation machen kannst. Geh wandern, stürze dich in deine Projekte oder mach einfach mal Party. Mach, was dir Spaß macht und die Welt ist nur noch halb so schlimm. Ich habe die Zeit intensiv genutzt, meine Selbstständigkeit voranzubringen und neue Projekte anzustoßen. Sei gespannt, was kommen wird. Ich sage nur: Buch.

 

#8 Alles geht vorüber

Manch einer hat das Problem, dass er denkt, dass die Phasen nie vorübergehen. Doch nach dem Regen kommt immer die Sonne. Behalte das immer im Hinterkopf. Mache dir selbst ein Geschenk und plane die nächste Destination.

Bonus: Wenn das digitale Nomadentum eine Flucht vor dir selbst ist

Wenn es dir schon in Deutschland bescheiden geht und du dir mit der Flucht ins Ausland Besserung versprichst, wird es nicht lange dauern und es wird dich auch am Strand von Mexiko oder Thailand einholen. Denn du nimmst dich ja wie gesagt, selbst mit. Inklusive deinem emotionalen Ballast. Wie du diesen vor deiner Abreise loswirst, lernst du am besten bei Stefanie Stahl und ihrem hervorragenden Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“. Hast du das alles für dich geklärt, dann ab mit dir, erkunde die Welt und erfreue dich am Nomadenleben.

 

Fazit: Das Leben ist ein Auf und Ab

Ich hoffe, ich habe dir keine Illusionen zerstört. Aber glaube mir, das Leben als digitaler Nomade ist absolut geil und ich möchte es nicht mehr missen. Dennoch ist auch keine dauerhafte Insel der Glückseligkeit. Behalte das im Hinterkopf und habe Spaß!

Was hast du an Erfahrungen unterwegs gemacht? Welches Land oder welche Stadt hat dir überhaupt nicht zugesagt? Lass es uns wissen und schreibe es in die Kommentare!

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