Warum du bei den meisten Altersvorsorgeprodukten abgezockt wirst

Kunden haben wutentbrannt ihre Versicherungsvertreter angerufen. Menschen sind in Tränen ausgebrochen. Als ich noch als Versicherungsmakler gearbeitet habe, waren wir darauf spezialisiert: Das Offenlegen der Kosten in ihren Versicherungsverträgen.

Und damit verbunden war meistens die Erkenntnis, dass sie deutlich weniger Geld drin hatten, als sie einzahlt haben. Doch wie kann das sein? Es gibt einige Produkte auf dem Markt, die schamlos Kosten und Gebühren verlangen, obwohl sie ja vordergründig nichts kosten. Oder hast du jemals für den Abschluss einer Versicherung etwas bezahlt? Wenn ja, dann hattest du wahrscheinlich einen Honorarberater, der meistens seine Kosten offenlegt. Wenn nicht, empfehle ich dir dringend einen Blick unter die Motorhaube!

Vermögensaufbau ist wichtig. Richtiger Vermögensaufbau ist noch wichtiger. Doch, wie findest du heraus, was richtig ist? Indem du detailliert Bescheid weißt, in was du überhaupt investierst. Und da das Thema Altersvorsorge unnötig komplex ist, können windige Versicherungsvertreter quasi nach Belieben Altersvorsorgeprodukte verkaufen. Denn das Finanzwissen in Deutschland ist erschreckend gering. Damit dich niemand im Dschungel der Altersvorsorge abzocken kann oder du bei bereits abgeschlossenen Produkten reagieren kannst, bekommst du heute von mir einen detaillierten Artikel über Kosten in Altersvorsorgeprodukten. 

Wie sind die Kosten überhaupt aufgebaut?

Ein Altersvorsorgeprodukt besteht meistens aus dem Versicherungsmantel und dem Anlagekern. Der Versicherungsmantel ist die rechtliche Struktur des Vertrages. Dazu zählen z.B. Steuervorteile, Garantien oder Auszahlungsmöglichkeiten. 

Der Anlagekern ist das, in was investiert wird. Das sollten möglichst Fonds sein, alles andere bringt heutzutage sowieso keine Rendite.

Sowohl im Versicherungmantel als auch im Anlagekern fallen verschiedene Kosten an. Ich zeige dir nun alle gängigen Kosten, die von Vertrag zu Vertrag variieren. 

Ich rechne mit Durchschnittswerten, die meiner Erfahrung nach üblich sind. Wenn du für deinen Versicherungsvertrag eine genaue Analyse möchtest, melde dich und wir machen das gemeinsam.

Stellen wir uns vor, du zahlst 40 Jahre lang 500€ in einen Altersvorsorgevertrag ein. Das bedeutet, dass die sog. Bewertungssumme 240.000€ beträgt. Man berechnet also, was der Kunde über die 40 Jahre hinweg einzahlt (40 Jahre x 12 Monate x 500€). Das ist wichtig, um einige Kosten festlegen zu können.

Die vier verschieden Kostenarten des Versicherungsmantels

Abschlusskosten

Die Abschlusskosten bedeuten die Provision, die der Versicherungsvermittler erhält, wenn er den Vertrag an dich verkauft. Diese sind bei deutschen Versicherern auf 2,5% der Bewertungssumme gedeckelt. Wir erinnern uns, dass diese 240.000€ beträgt. D.h. er bekommt 6.000€ für den Abschluss (Manchmal wird er auch auf mehrere Beteiligte aufgeteilt). Diese 6.000€ gehen die ersten 60 Monate verteilt von deinem Vertrag ab. 

Konkret: Du zahlst 500€ ein, es kommen aber nur 400€ an. Also werden 100€ weniger als eingezahlt und nur 400€ verzinst. Das allein gibt schon eine Minusrendite von -20%. 

Verwaltungskosten

Die Verwaltungskosten werden offiziell für die Verwaltung des Vertrages verwendet. Doch es kommt noch bunter. Damit werden nicht etwa nur der Schriftverkehr und Berechnungen bezahlt. Irgendwoher müssen auch noch Bestandsprovisionen an den Verkäufer bezahlt werden. Hier habe ich schon alles gesehen. Von 2,5% bis hin zu 25% auf den Monatsbeitrag. Im Worst Case kommen also nochmal 125€ weniger in den Fonds an. Bedenke – 125€ pro Monat! Zeig mir bitte einen ETF, der solche Minusrenditen macht!

Kosten auf Fondsguthaben

Für die Verwaltung des Fondsguthabens nimmt sich die Versicherung auch einen Anteil. Hier schwankt es meistens so zwischen 0,1% bis 1%. Hört sich am Anfang nach nicht viel an. Doch hier geht es nicht um einen Prozentsatz auf den Monatsbeitrag. Sondern um die Summe, die schon im Vertrag angehäuft ist. Diese Kosten fallen jährlich an.

Zur Verdeutlichung diese Tabelle, was 0,5% auf das Fondsguthaben ausmachen können:

Höhe FondsguthabenJährliche Kosten bei 0,5%
10.00050€
100.000500€
200.0001000€

Stückkosten

Wir sind noch lange nicht am Ende mit den Kosten. Die Stückkosten sind ein Pauschalbetrag, der jährlich fällig ist. Sie existieren im Prinzip, weil der Vertrag existiert. Meistens liegen sie zwischen 0€ und 40€.

Zusätzlich kommen noch die Kosten des Fonds

Das waren die Kosten für den Versicherungsmantel. Nun kommen wir zu den Kosten für den Fonds. Hier kommt es vor allem darauf an, ob es ein aktiver oder ein passiver Fonds ist.

Da ein aktiv gemanagter Fonds von einem Fondsmanagement betreut wird, ist dieser von den Kosten her teurer. Ein passiver Fonds, meist ein ETF, muss nur einem Index folgen und hat dementsprechend wenig Kosten. Dreimal darfst du raten, welche Fondsart bei Altersvorsorgeverträgen üblich ist. Gehen wir also von einem aktiv gemanagten Fonds aus.

Ausgabeaufschlag

Auch ein Fonds muss vermittelt und verkauft werden. Deswegen fällt bei einem aktiv gemanagten Fonds meistens ein Ausgabeaufschlag an (üblicherweise 5%). Doch bei Versicherungsverträgen entfällt dieser gnädigerweise. Behalte es aber im Hinterkopf, wenn du dir mal an der Börse einen aktiven Fonds kaufen möchtest.

TER

Das steht für Total Expense Ratio. Also die Gesamtkostenquote. Diese liegt meistens zwischen 0,2% bei günstigen ETFs und 3,5% bei teuren aktiv gemanagten Fonds. Sie fällt jährlich an. Sie beinhaltet alle anfallenden Kosten für Verwaltung und co. 

Transaktionskosten

Ein Fonds kauft und verkauft Aktien, Rohstoffe und Anleihen. Dafür fallen Transaktionskosten an. Diese müssen allerdings nicht angegeben werden und sind sehr schwer vorherzusagen. Fallen in einer turbulenten Marktphase viele Transaktionen an, sind die Kosten natürlich höher als in niedrigen Phasen. Bei der Dunkelziffer geht man von 0,1% bis 1% aus.

Riesige Kostenblöcke schmälern deine Rendite

Verstehst du jetzt, warum meine Kunden oft ausgerastet sind? Die Kosten reichen von gerechtfertigt bis hin zu völlig überzogen.

Den größten Vorteil, den Versicherungslösungen haben, sind die steuerlichen Vorteile. Diese können in manchen Fällen ausschlaggebend sein, ein Versicherungsprodukt zu wählen. Doch da wir ja gesehen haben, dass die Kosten von Versicherungsprodukt zu Versicherungsprodukt variieren, solltest du dir für jedes Angebot genau die Kosten aufzeigen lassen.

Meistens hat der Verkäufer nicht mal selbst eine Ahnung, was er da eigentlich verkauft. In den meisten Fällen weiß er nur von der Gesamtkostenquote, die er dir nennen wird. Diese hört sich schön an, weil sie meistens um die 2% beträgt. Dieser Wert zeigt meistens, wie die Rendite über die Laufzeit durch die Kosten geschmälert werden wird.

Also hättest du z.B. über 40 Jahre eine Rendite von 4% und die Gesamtkostenquote beträgt 2%, dann hast du in Wahrheit nur eine Rendite von 2% gemacht. Und dass diese Quote möglichst schön gerechnet ist, versteht sich von selbst. 

Wie kommst du transparent an die Kosten?

Ich rate dir dringend, das mit den Kosten selbst in die Hand zu nehmen. Die Kosten für den Fonds findest du in den “Wesentlichen Anlegerinformationen”. Da sind diese meistens transparent aufgeführt.

Die Kosten für den Versicherungsmantel findest du im Produktinformationsblatt. Doch das ist meistens so verklausuliert dargestellt, dass du da meistens nur Bahnhof verstehst. 

Deswegen habe ich dir eine Vorlage erstellt, die du so verwenden kannst. Sei ruhig hartnäckig und sage dem Verkäufer, dass du nicht abschließen wirst, wenn du nicht transparent die Kosten aufgezeigt bekommst. Auch für einen bestehenden Vertrag kannst du die Vorlage benutzen und anpassen. Manche Gesellschaften antworten, manche nicht.

Sehr geehrte Damen und Herren,

für eine eventuelle Neuordnung meines Versicherungsvertrages XY möchte ich folgende Informationen in Erfahrung bringen:

– Wie hoch ist der aktuelle Guthabenstand?

– Wie hoch waren die Abschlusskosten?

– Wie hoch sind die Verwaltungskosten?

– Wie viel Prozent betragen die Kosten auf das Fondsguthaben?

-Wie hoch ist die Total Expense Ratio der jeweiligen Fonds?

Ich bitte Sie, mir sowohl den prozentualen Anteil, als auch die jeweilige Summe mitzuteilen.

Sollten Sie mir alles transparent darlegen, bin ich weiterhin gerne ihr Kunde!

Mit freundlichen Grüßen

Welche kostengünstigen Alternativen gibt es?

Es gibt Alternativen innerhalb der Versicherungswelt. Und es gibt Alternativen zu Versicherungslösungen

Brutto vs. Nettotarife

Ein Bruttotarif ist ein Versicherungstarif, der den Versicherungsvermittler mit Provision bezahlt. So wie in unserem Beispiel. 

Ein Nettotarif ist ein Tarif, der mit einem Honorar bezahlt wird. 

Was ist der Unterschied zwischen Provision und Honorar?

Die Provision geht immer monatlich von deinen eingezahlten Beiträgen weg. Somit kann nicht alles, was du einzahlst, verzinst werden.

Ein Honorar dagegen zahlst du direkt vorab. Dann kannst du den Zinseszins schön loslegen lassen.

Zudem haben Honorarverträge meistens nicht diese immensen Kosten, was den Honorarberater meistens transparenter walten lässt. Denn, wenn er keine hohen Kosten verstecken muss, kann er sie dir auch proaktiv zeigen.

Sei jedoch äußerst skeptisch, wenn jemand ein Honorar für die Beratung verlangt und dich nicht über die Kosten aufklärt. Dann nimmt er sich höchstwahrscheinlich ein Honorar und kassiert noch die Provision. 

Sparplan

Eine extrem günstige Alternative sind Fondssparpläne. Dazu benötigst du nur einen Broker und kannst sehr schnell selbstständig einen Sparplan einrichten. Du kannst flexibel die Sparrate wählen. Und du kannst wählen, welche Fonds du in deinem Sparplan haben möchtest. Da hast du alles selbst in der Hand. Hier gibt es allerdings keine Steuervorteile, es wird ganz normal die Abgeltungssteuer fällig. Aber du hast nur die Fondskosten und Kaufgebühren, welche einen Bruchteil dessen sind, was du im Versicherungsmantel zahlen müsstest.

Fazit

Ich hoffe, du hast jetzt einen guten Überblick über die Kosten. Bestehe also unbedingt darauf, dass man dir diese transparent mitteilt. Wenn das nicht der Fall ist, nimm die Beine in die Hand und renne!

Lasse dir sowohl Brutto- als auch Nettotarife zeigen. Vergleiche sie mit Sparplänen. Und dann entscheide. Grundsätzlich rate ich dir, die Verantwortung für deine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Denn sie sind das Fundament für dein Leben und nicht irgendetwas, was man nebenbei macht. Wenn du deine Finanzen selbst regeln willst, ist ein Sparplan das beste für dich. 

Wenn du Fragen hast oder du Probleme beim Kosten Identifizieren hast, schreib mir gerne. Ich helfe dir in jedem Fall!

  • Eine sehr verständliche und Übersichtlingen Erklärung, vielen lieben Dank! Das erklärt einiges.. Interessant wäre nun, wie ich denn den richtigen Berater finde?

    • Da rate ich dir, mehrere zu testen. Und auf die Kostenfrage festnageln. Wer sie dir adäquat beantwortet, setzt auf Transparenz

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